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Forschungsprojekt
FÜRSTENSITZ - KELTENSTADT
SANDBERG
www.nhm-sandberg.at.tt
DR. VERONIKA HOLZER ©
WISSENSCHAFTLICHE PROJEKTLEITUNG
Dr. Veronika Holzer
Prähistorische Abteilung / Naturhistorisches Museum Wien
Burgring 7, 1014 Wien
Telefon und Fax: ++43 (01) 52177/281
e-mail: veronika.holzer@nhm-wien.ac.at
PROJEKTTRÄGER
Verein "Forum Platt" - archäologisch historische
Initiative
Obmann: Ök.Rat Josef Pfeifer, 2051 Platt 22
Finanzierung durch die Gemeinden Sitzendorf an der Schmida und Zellerndorf, das Naturhistorische Museum Wien, das Kunsthistorische Museum, das Land Niederösterreich und weitere Sponsoren
Abstract:
Known for more than hundred years, Roseldorf/Sandberg, the largest
Celtic lowland settlement of Austria, with an own mint and the
richest Austrian Celtic coin assemblage, is located in the north-western
part of Lower Austria. The numismatic analysis (more than eight
hundred coins) of the surface finds were the only scientific studies
in Roseldorf until the Department of Prehistory of the Natural
History Museum in Vienna started the research-project “Fürstensitz-Keltenstadt” Sandberg
in 1995. After geomagnetic prospections (1995 – 2000), the
first archaeological excavation was realized in summer 2001. A
real sensation was discovered in the following years with the Celtic
sanctuary having many parallels (depositions of destroyed weapons
and animal victims) to the Gallic ritual sites in France.
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Einleitung
Bekannt ist die latènezeitliche Ansiedlung aufgrund zahlreicher Altfunde
wie Gürtelhaken, Glasfragmente, Keramik usw., vor allem aber wegen der
vielen Gold- und Silbermünzen seit mehr als hundert Jahren. Im Jahre 1887
wurde ein keltisches Goldmünzchen vom Wiener Münzkabinett erworben,
das mit großer Wahrscheinlichkeit aus Roseldorf stammt. Im Jahr 1932 wurden
einige Funde, darunter der bekannte eiserne Gürtelhaken, dessen zeichnerische
Umgestaltung das Logo zum Projekt bildet, auf dem Sandberg in Roseldorf gefunden,
die 1935 von der Prähistorischen Abteilung des NHM angekauft wurden. Bis
heute werden sie in der Schausammlung der Prähistorischen Abteilung der Öffentlichkeit
präsentiert. In den Fundberichten aus Österreichs wurde laufend über
Oberflächenfunde aus Roseldorf berichtet. Besondere Bedeutung kommt dabei
dem Tüpfelplattenfund aus dem Jahr 1975 zu, durch welchen am Sandberg eine
eigene Münzprägung nachgewiesen ist. Bei dieser Tüpfelplatte
handelt es sich um ein zur Schrötlingsform umfunktioniertes Gefäßbruchstück
aus Grapitton, welches eine kleine muldenförmige Vertiefung aufweist, in
der Goldschmelz ausgegossen wurde. Die zahlreichen Münzfunde lockten allerdings
auch Raubgräber und Sammler auf die Fundstelle, die ihre dort gesammelten
Münzen auf Flohmärkten und auch ins Ausland verkauften, wodurch der
Wissenschaft nicht nur bedeutende Funde, sondern vor allem auch wichtige Erkenntnisse
verloren gingen. Dieser Umstand bewog das Bundesdenkmalamt, die Fundstelle im
Jahr 1991 unter Schutz zu stellen. Bedauerlicherweise lassen sich manche Raubgräber
auch weiterhin nicht davon abhalten, illegal mit Metallsuchgeräten die
Fundstelle nach Münzen und anderen Funden abzusuchen. Aufgrund der bisher
bekannten Oberflächenfunde lässt sich chronologisch gesehen auf dem
Sandberg eine kontinuierliche Besiedlung vom Beginn der Latènezeit (Gürtelhaken
LT A) bis hin zur Spätlatènezeit (Bruchstücke von Nauheimer
Fibeln und Feinkammstrichware mit gekreuzter Kammstrichführung) nachweisen.
Diese Altfunde und die Gefährdung der Fundstelle trotz Denkmalschutz gaben
den Anlass, im Jahr 1995 ein Forschungsprojekt mit dem Titel: „Fürstensitz-Keltenstadt“ Sandberg
seitens der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien
unter der Leitung von V. Holzer ins Leben zu rufen. Für archäologische
Ausgrabungen fehlten jedoch vorerst die finanziellen Mittel. Die Wissenschaft
war dennoch nicht untätig und leistete bereits Anfang der 90er Jahre des
20. Jahrhunderts beträchtliche Arbeiten im Vorfeld zu diesem Projekt. So
wurden die bisherigen der Wissenschaft zugänglichen Münzfunde (ca.
800 Stück) im Münzkabinett des KHM katalogisiert und wissenschaftlich
bearbeitet (G. Dembski). Im Auftrag der Prähistorischen Abteilung des Naturhistorischen
Museums wurden in den Jahren 1995 - 1998 geomagnetische Prospektionsmessungen
von der ZAMG ArcheoProspections durchgeführt, die in den Jahren
1999 und 2000 mit Hilfe der Finanzierung des Vereins „Forum Platt“ und Unterstützung
des Landes Niederösterreich vorerst abgeschlossen werden konnten. Erst
durch die finanzielle Kooperation der Gemeinden Sitzendorf (Bürgermeister
Ing. Leopold Hummer) und Zellerndorf (Bürgermeister Wilhelm Ostap), dem
Verein Forum Platt (Obmann Ök.Rat Josef Pfeifer), dem Kunsthistorischen
Museum (Univ.Prof. Dr. Günter Dembski) und dem Naturhistorischen Museum
(Dr. Anton Kern) waren Grabungen im Jahr 2001 möglich. Die Situation änderte sich auch im Folgejahr 2002 nicht. Im Jahr 2003 fand unser Projekt erfreulicherweise noch einen weiteren Sponsor durch den Verein der Freunde des NHM. Im Jahr 2004 kamen weitere Sponsoren mit der Telekom Austria, der OMV und der NÖ Versicherung dazu.

Magnetische Prospektion
Bisher wurde eine Fläche von insgesamt ca. 22 Hektar magnetisch prospektiert.
Das Messergebnis war sensationell. Zu den zahlreichen, durch die Prospektion
sichtbar gemachten Befunden zählen vor allem 449 Grubenhäuser. Der
Größe der Grundflächen der einzelnen Gebäude nach konnten
drei Gruppen herausgearbeitet werden. Ihre Orientierung ist großteils West-Ost,
aber auch Nord-Süd ausgerichtet. In einigen Fällen zeigten die Messungen
auch das Vorhandensein von Öfen in den Grubenbauten. Überschneidungen von Grubenhäusern deuten darauf hin, dass mehrere Siedlungsphasen vorliegen. Neben diesen Grubenhäusern treten große, kompliziert zusammen gesetzte Anomalien in der Messfläche auf, hierbei könnte es sich um Reste von größeren Gebäuden handeln. Weiters konnten vermutliche Schwellenbauten und Reste von Ständerbauten festgestellt werden. Neben diesen
Gebäudestrukturen lassen sich auch sämtliche Siedlungsgruben unterschiedlicher
Größen erkennen. Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass aufgrund
des Prospektionsergebnisses vom Jahr 1997 die Siedlung erstmals nach Süden
durch einen 2 - 3 m breiten Sohlgraben, stellenweise laufen zwei Gräbchen
parallel, abgegrenzt werden kann. Es ist deutlich erkennbar, dass südlich
seines Verlaufes keine archäologisch relevanten Anomalien mehr auftreten.
Besondere Aufmerksamkeit erregten auch vier quadratische Einfriedungen mit bis
zu 20 x 20 m Seitenlänge.
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Abb. 1: Lage des Sandbergs |
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Grabungen
Die ersten archäologischen Ausgrabungen im Jahr 2001
fanden im westlichen Siedlungsbereich statt. Ergebnis dieser Grabung
waren drei eingetiefte Häuser (davon ein Getreidespeicher
in Blockbauweise), zwei Backhäuser, drei Siedlungsgruben,
eine Schmiede und andere kleinere Befunde. Nach diesen großartigen
Ergebnissen wurde in den Jahren 2002 und 2003 ein weiterer Teil
der keltischen Siedlung „Sandberg“ ausgegraben und wissenschaftlich
untersucht. Ziel dieser Ausgrabungen war die Untersuchung der größten der vier quadratischen Grabenanlagen am östlichen Rand der Siedlung, dem Heiligtum vom Sandberg. Das Grabungsobjekt befand sich auf der Parzelle Nr. 1484. Der Grundeigentümer, Franz Greil, ermöglichte durch seine Zustimmung die archäologischen Untersuchungen.
Die örtliche technische Grabungsleitung übernahm ab
2002 G. Fuchs, Firma ARGIS Archäologie Service OEG, Kleinstübing
/ Stmk. Die Grabung wurde nach der Harris -Schichtgrabungsmethode
durchgeführt und durch die Dokumentation von Profilen ergänzt.
Alle Schichtgrenzen, Schichtoberflächen und Profile wurden
dokumentiert. Einfache Befunde wurden digital gemessen, komplexere
Detailbefunde fotogrammetrisch, z T. auch analog, aufgenommen.
Die Funde wurden dreidimensional eingemessen und einzeln entnommen.
Die Grabungsmannschaft setzte sich aus Studenten verschiedener
archäologischer Fachrichtungen der Universitäten Wien
und Graz zusammen (Abb. 2). Im Pfarrhof von Platt war nicht nur
die Grabungsmannschaft einquartiert, sondern dort befand sich auch
das Funddepot.
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Die Bedeutung des
Heiligtums am Sandberg für die Keltenforschung
Die quadratische Form, ihre Größe
und die Orientierung nach den Himmelsrichtungen mit einem Eingangsbereich
im Osten Richtung aufgehender Sonne zeichneten diese archäologische
Struktur von Anfang an als etwas Besonderes aus und ließen
ein Heiligtum am Sandberg vermuten. Die bereits durchgeführten
archäologischen Grabungen 2002 und 2003 untersuchten die quadratische
Grabenanlage ca. bis zur Hälfte und ergaben ein sehr umfangreiches
Fundmaterial. Das Fundspektrum und die Funddeponierungen im Graben
nach vorhergegangener ritueller Zerstörung bestätigten
die Annahme eines Heiligtums.
Die Entdeckung des Heiligtums in Gournay-sur-Arronde in
Frankreich im Jahr 1975 war der Auslöser zur Erforschung keltischer
Heiligtümer des 3. und 2. Jahrhunderts vor Chr. Aufgrund seiner
vollständigen Ausgrabung galt es bis heute als das beste Beispiel
eines keltischen Kriegerheiligtums und machte uns die Hauptcharakteristika
sichtbar (Abb. 3). Trotz der bedeutenden Forschungsfortschritte
in den letzten Jahrzehnten blieben dennoch viele Fragen offen.
Ein Grund dafür war, dass die Erforschung der Heiligtümer
ihren Schwerpunkt vor allem in Frankreich hatte. In Mitteleuropa
dagegen wagte man lange Zeit nicht, ähnliche Befunde wie z.
B. in Manching als keltische Heiligtümer zu interpretieren.
Nach dem damaligen Forschungsstand zeichneten sich zwischen den
Kultstätten West- und Mitteleuropas deutliche Unterschiede
ab. Im Westen waren Heiligtümer vom sogenannten gallischen
Typ durch die frühen Grabungen bereits bekannt, im deutschen
und tschechischen Bereich allerdings interpretierte man die spätlatènezeitlichen
Viereckschanzen als keltische Heiligtümer, was neuere Erkenntnisse
widerlegen.
Dieses verzerrte Bild des Forschungsstandes
wurde nun mit der Entdeckung des Heiligtums am Sandberg richtig
gestellt. Durch den Beweis seiner Existenz in unserem Raum spielt
die Erforschung unseres Heiligtums am Sandberg eine äußerst bedeutende Rolle
in der Zukunft der internationalen Keltenforschung. Das Heiligtum
am Sandberg ist in Mitteleuropa aufgrund seiner Bauart und guten
Erhaltung bis jetzt einzigartig und daher von besonderer Bedeutung
für die internationale Keltenforschung. Es ist bisher das
einzige dieser Art in Österreich und weist deutliche Ähnlichkeiten
mit den relativ gut erforschten keltischen Kultanlagen in Frankreich
auf. Übereinstimmungen zeigen sich vor allem in der Form und
Größe der Anlage, in der quadratischen Umfriedung des
sakralen Bereiches durch einen Graben, möglicherweise in Verbindung
mit einer Palisade, und im Zugang durch ein Tor im Osten als „Schwelle“ zwischen
der profanen Welt und dem heiligen Boden. Weitere Parallelen finden
sich im Fundspektrum und in der Tatsache, dass der Graben sekundär
zur Aufnahme von Opfergaben oder Opferabfällen diente. Oft
ist bei den gallischen Heiligtümern auch eine kultische Deponierung
in Gruben festzustellen. Sachopfer wie z. B. Waffentrophäen
wurden vor der Deponierung im Graben auf Pfählen zur Schau
gestellt. Ähnlich wie in Frankreich wurden auch am Sandberg
die blutigen Opfer in der zentralen Opfergrube vollzogen. Unterschiede
zu den Heiligtümern in Frankreich zeigen sich entweder in
der frühen oder auch kürzeren Nutzungsdauer des Heiligtums
am Sandberg . Die gallischen Heiligtümer gehören entweder überhaupt
einer späteren Zeit an oder wurden nach einem Hiatus am Ende
der Mittellatènezeit in gallorömischer Zeit wieder
aufgesucht und mit gallorömischen Umgangstempeln verbaut.
Die Kulthandlungen am Sandberg dürften sich nach den bisherigen
Untersuchungen auf die späte Frühlatènezeit und
Mittellatènezeit (ca. 300 v. bis ca. 150 vor Chr.) beschränkt
haben. Eine spätere Wiederaufnahme der Kulthandlungen konnte
bis jetzt nicht nachgewiesen werden. Ebenso sind keinerlei Reste
oder Spuren einer späteren Überbauung oder Überdachung
der Anlage feststellbar, was möglicherweise aber mit der Erosion
der oberen Schichten zusammenhängt.
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Keltische
Kultanlage - Befund
Die nach den Himmelsrichtungen orientierte
quadratische Grabenanlage vom Sandberg befindet sich am äußersten östlichen
Rande innerhalb des eingegrenzten Siedlungsareals. Nach dem Einmessen
und Ausstecken der Grabungsfläche (ca. 680 m 2 ) wurde die Humusschicht
mit dem Bagger sorgfältig abgeschoben. Die anschließende
Reinigung der abgeschobenen Oberfläche (Abb. 4) zeigte neben
anderen Verfärbungen erfreulicherweise die erwartete quadratische
Grabenanlage. Es wurde jedoch deutlich, dass der Graben im Süden
und Westen nicht exakt begrenzt ist, sondern durch zahlreiche Gruben
auf der Außenseite überlagert ist. Die maximale Ausdehnung
der gesamten Anlage beträgt demnach 25 x 25 m. Schon auf der
Vergrößerung des Magnetikplanes kann man großflächige
Störungen im südöstlichen und auch im südwestlichen
Eck des Grabens erkennen, welche sich auch auf der ersten Dokumentationsfläche
bestätigten. Der Eingang im Osten der Anlage ist nur auf der
Magnetik sichtbar, da er im Gelände durch die Störung im
Südosten überlagert ist.
Die Fläche der Grabenanlage (Abb.
5) wurde aus praktischen Gründen in 18 kleinere Flächen
untergliedert. Die Flächen 2, 3, 4, im Norden und Fläche
18 im Westen wurden schon im Jahr 2002 untersucht und die Flächen
12 und 14 im Süden begonnen. Ziel der zweiten Grabungskampagne
war es, mit der Nordwest-Ecke (Fläche 1), der gesamten Westseite
(Fläche 16 und 17) und der westlichen Hälfte der Südseite
der quadratischen Grabenanlage (Fläche 13, Fertigstellung
der Flächen 12 und 14 und Beginn der Fläche 15), die
archäologische Untersuchung der Westhälfte der Kultstätte
zu komplettieren.
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Der
Graben ist an der Oberfläche ca. 3 m breit, das Grabenprofil ist trapezförmig
bis dreieckig und durchschnittlich einen Meter bis eineinhalb Meter
tief (Abb. 6). Es lassen sich mehrere Schichten in der Grabenfüllung
erkennen, die nach weiteren Untersuchungen auf die Verfüllungsvorgänge
schließen lassen. Zuoberst liegt eine rund 60 cm mächtige
lehmige dunkelbraune Einfüllung, an die unterhalb hellere Schichten
anschließen, die eine Feinstratigraphie mit wechselnden helleren
und dunkleren Bändern aufweisen. Vom Geologen Dr. R. Roetzel
(Geologische Bundesanstalt Wien) entnommene Proben sollen dazu weitere
Aufschlüsse liefern.
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In
der Mitte der Anlage ist eine annähernd rechteckige Grube
mit ebener Sohle etwa einen halben Meter in den Boden eingetieft
(Abb. 7). Aufgrund des spärlichen Fundmaterials ist eine Interpretation
als Opfergrube, die immer wieder säuberlich ausgeräumt
worden ist, wahrscheinlich. Die Grube steht somit im funktionellen
Zusammenhang mit der Grabenanlage. |
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An
der Außenseite des Grabens im westlichen und südlichen
Bereich ist die Anlage durch zahlreiche Tierbaue gestört (Abb
8). Auffallend ist, dass die Innenseiten davon unberührt blieben.
Möglicherweise hat eine Palisadenkonstruktion im Inneren des
Grabens ein Vordringen der Tiere verhindert. Der Größe
nach könnten diese Baue von Dachsen oder Füchsen angelegt
worden sein, wahrscheinlich zu der Zeit als der obere Teil des
Grabens noch offen stand. |
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Die
Nordwest-Ecke der Grabenanlage (Fläche 1, Abb. 9) zeichnet
sich deutlich konturiert ab und blieb von den außerhalb liegenden
Tierbauen unberührt. Der Graben hat in diesem Bereich eine
ebene Sohle. |
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Anders
verhält es sich in den Flächen 16 und 17 an der Westseite
(Abb. 10). Dort schneiden Opfergruben (Abb. 11), die zum Teil wie
in Fläche 18 durch Tierbaue gestört sind, leicht die
Außenkante des Grabens an. Die Grabenkontur ist aber noch
gut erkennbar. |
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Am
stärksten ist der Zerstörungszustand des Grabens im Süden
der Anlage (Abb. 12) in den Flächen 12, 13 und 14, wo sowohl
durch Gruben als auch Tierbaue die Außenkante des Grabens
bis auf einen minimalen Rest im Osten gänzlich zerstört
ist. Hier wurde in späteren Nutzungsphasen des Heiligtums
sowohl der Bereich des ursprünglich angelegten Grabens als
auch ein Teil der Grubenbereiche als „neuer Graben“ genutzt, was
durch die oberen Schichtfolgen und deren Funde belegt ist. Aus
diesen jüngeren Grabenfüllungen stammt auch der Schwertfund
des Jahres 2002. Dass die Baue noch während der Nutzungsphase
des Heiligtums angelegt worden sind, konnte durch diese überlagernden
Fundschichten eindeutig nachgewiesen werden.
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Der
einzige in der Grabungssaison 2003 nicht abgeschlossene Sektor
ist die Fläche 15 im Bereich der Südwest-Ecke der Anlage.
Hier befindet sich der bis jetzt jüngste Befund der Anlage.
Es handelt sich dabei um eine äußerst fundreiche Abfallgrube
(Abb. 13), die über dem Graben angelegt worden ist. Zu den
Funden zählen vor allem Keramik, Tierknochen, weiters Schlacken,
Graphit, Hüttenlehm und vieles andere. Aus der fundreichsten
Schicht dieser Grube stammt auch unsere bis jetzt einzige eindeutig
einer Fundschicht zuordenbare Silbermünze vom Typ Roseldorf
II. Die typologische Auswertung und 14 C-Analysen des Fundmaterials
werden die erste archäologische Datierung einer Münze
in Roseldorf möglich machen. Einen weiteren interessanten
Fund aus dieser Grube stellt ein kleines Gusstiegelchen für
Feinmetalle dar, das möglicherweise mit der Münzherstellung
im Zusammenhang stand.
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Funde – Opfergaben
Insgesamt wurden bisher in beiden Grabungsjahren an der
Kultstätte 3355 Fundnummern vergeben. Die Funde liegen sowohl einzeln,
als auch in Fundkonzentrationen in der Grabenfüllung.
Im Mittelpunkt der keltischen Religion stehen
Heiligtümer, deren keltischer Oberbegriff "nemeton“ überliefert
ist, und das Opferwesen. Bei Heiligtümern handelt es sich um einen Opferplatz, an dem Menschen die Anwesenheit des Göttlichen zu erkennen glaubten und versuchten, auf die Gottheiten durch Opfer (blutige Opfer und Sachopfer) einzuwirken. Die Opfer und Opfergaben werden öffentlich über Jahre oder auch Jahrzehnte zur Schau gestellt und nach dem Akt des Vernichtens, Zerstörens und Unbrauchbarmachens wie Töten, Verbrennen, der Verwesung überlassen, Zerbrechen, Verbiegen, Zerhacken, Verschütten, Zerstreuen usw. im Graben deponiert, wodurch ihr Transfer zur Gottheit erst ermöglicht wird. Vollzogen wurden solche Handlungen meist von den Druiden, die die Philosophen und Gottesgelehrten der Kelten waren. Sie hatten großen Einfluss auf den einzelnen und die Gemeinschaft der Kelten.
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Das blutige
Opfer
Im blutigen Opfer wurden sowohl
Tiere als auch Menschen getötet.
Das Tieropfer hatte im Kult der Kelten eine zentrale Bedeutung.
Nach Beispielen aus Frankreich bestanden die Tieropfer aus zwei
Teilen, einerseits aus der Opferung eines vollständigen Tieres
(Rind oder Pferd) und andrerseits aus dem Opfermahl. Es fand sicherlich
ein kompliziertes Opferritual statt, bei dem nur alle paar Jahre
ein altes Tier (Ausschussware?) geopfert wurde. Nach seiner Tötung überließ man
das Tier als symbolische Götternahrung in einer zentralen
Grube der Verwesung. Danach wurde der Schädel ohne Unterkiefer
entnommen und möglicherweise am Eingangsportal der Kultstätte
befestigt. Den Rest entsorgte man im Umfassungsgraben. Parallel
fand vermutlich auf dem freien Platz im Heiligtum das mit der Opferung
von vorwiegend Lämmern und Ferkeln, aber auch Rindern und
Hunden, verbundene Festmahl statt. Teile der verspeisten Tiere
wurden ebenfalls den Göttern dargebracht. Genauere Untersuchungen
der sehr zahlreich und gut erhaltenen Tierknochen vom Sandberg
(Abb. 14) werden voraussichtlich diese Theorien bestätigen
und vielleicht neue interessante Details ergeben.
Auch Menschenopfer waren bei
den Kelten keine Seltenheit. Sie wurden von den Griechen und
Römern immer wieder angeprangert.
Unter den Menschenopfern findet man vorwiegend Verbrecher, die
bei einem Vergehen ertappt wurden. Fehlt es jedoch an solchen Leuten,
opferte man auch Unschuldige. Berüchtigt wurden die Kelten
als Kopfjäger aufgrund ihres Schädelkults. Die Schädel
der gefallenen Gegner galten als Trophäen der Krieger. Am
Sandberg zählen die nicht mehr im Verband befindlichen und
einzeln im Umfassungsgraben gelagerten menschlichen Skelettreste
(Abb. 15) eher zu den seltenen Funden. Ihre Bedeutung ist jedoch
sehr groß, da sie die Sitte der menschlichen Opferungen beweisen
.
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Das Sachopfer
Sachopfer stellten meist existentiell wichtige
mit Symbolwert behaftete Objekte dar. Wenn der materielle Wert
nicht allzu groß ist,
entscheidet letztendlich der ideelle Wert. Das Spektrum der Opfergaben
war sehr breit. Neben Waffen, Pferdegeschirre, Wagen, Kriegsbeute,
Geräten aus Haus und Hof, Metallgeschirr zum Kochen, sowie
Schmuck, gab es auch nicht mehr erhaltene, aber schriftlich überlieferte
Speiseopfer. Auch Textilien sollen geopfert worden sein. Münzopfer
ersetzten vor allem in späterer Zeit durch die Etablierung
der Geldwirtschaft Sachgüter unterschiedlichster Art.
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Waffen:
Zur üblichen
keltischen Waffenausrüstung (Abb. 16) zählen vor allem
das Schwert, die Lanze, der Schild, der Bogen mit Pfeilen, die Schleuder,
das Messer, der Helm, der Panzer und der Streitwagen. Zu den häufigsten
Funden in der Kultanlage am Sandberg zählen die Schwert- und
Schwertscheidenbruchstücke. Die Schwerter bestehen aus einer
langen geraden Klinge und einer Griffangel. Der Griff selbst war
meist aus Holz oder Leder gefertigt. Schwertscheiden wurden absichtlich
zerstückelt oder mehrmals verbogen. Selten finden sich in ihrer
Länge ganz erhaltene Stücke. Getragen wurden die Schwerter
an der rechten Hüfte, sie hängen von eisernen Schwertketten
herab. Solche Schwertketten haben entweder rundstabige oder flachgeschlagene
Glieder. Weitaus seltener finden sich Lanzenspitzen. Sie haben unterschiedliche
Dimensionen und wurden entweder als Wurfspeere oder Stoßlanzen
verwendet. Da die Schilde der Latènezeit aus Holz oder Leder
gefertigt waren, sind nur mehr die Schildbuckel in mehreren Bruchstücken
erhalten.
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Wagenteile:
Achsnagel, Ösenstifte,
große starke Nägel, Nabenringe
und andere Objekte gehörten mit Sicherheit einem Wagen (Abb.
17) an. Der Kampfwagen der Kelten war in der Regel zweirädrig,
mit einem Wagenlenker und Krieger besetzt. Gezogen wurden sie von
zwei Pferden. Neben dem zweirädrigen gab es aber auch den
vierrädrigen Wagen. |
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Pferdegeschirr:
Zum
Pferdegeschirr gehören Trensen verschiedener Art, Zierscheiben,
wir Phaleren, und Riemenverteiler (Abb. 18). |
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Amulette:
Ergänzend zu den Waffendeponierungen wurden auch Schmuckstücke
wie Fibeln und Objekte mit Amulettcharakter (Abb. 19) im Graben
gefunden. Solche Amulette werden getragen, um die betreffende Person
gegen Unheil in allen möglichen Gestalten zu schützen.
Sie werden meistens mit einem Kettchen oder Faden um den Hals gehängt. |
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Keramik:
Zu den eher seltenen Funden zählt die Keramik (Abb. 20).
Nur vereinzelt, dann aber in kleinen Konzentrationen wurden Gefäßbruchstücke
im Graben gefunden. |
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Die überwältigende
Menge an Funden kam nach der Grabung zur Restaurierung und weiteren
wissenschaftlichen Bearbeitung in das Naturhistorische Museum nach
Wien. Die Tierknochen werden wie schon im Vorjahr von Dr. E. Pucher
(I. Zoologische Abteilung des NHM) bestimmt und wissenschaftlich
bearbeitet. Die Auswertung der menschlichen Knochenreste wird von
der Anthropologischen Abteilung des NHM Wien (Dr. M. Teschler-Nicola) übernommen.
Neben der vor Ort durchgeführten Flotation von Bodenproben (Abb. 21) für botanische Analysen (BOKU- Institut für Botanik, Prof. Dr. M. Kohler-Schneider) wurden auch während der Grabung 2003 wieder Proben (Dr. R. Roetzel - Geologische Bundesanstalt Wien) für Sedimentanalysen und Pollenanalysen aus den Grabenschichten entnommen (Abb. 22).
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„Tag
der Offenen Tür“
Während der Grabungen findet jährlich an einem Samstag ein "TAG DER OFFENEN TÜR" zwischen 13 und 18 Uhr statt. Dieser Nachmittag ist immer wieder ein außergewöhnlich großer Erfolg. Man schätzt ca. 600 interessierte Besucher aus der ganzen Umgebung (Abb. 23). Die Besucher konnten live die Grabung
miterleben und den Studenten bei der Arbeit zusehen. Traditionell
wurden die heurigen Funde noch unrestauriert, aber auch schon die
ersten restaurierten Funde aus dem Vorjahr präsentiert. Pläne,
Vergleichsbeispiele und Fotos von den Funden noch in situ wurden
auf drei Pinwänden gezeigt. Zusätzlich gab es Führungen
und Erklärungen von der Projektleiterin Dr. V. Holzer unterstützt
von ihren Mitarbeitern. Das Interesse der Besucher war außerordentlich
groß.
Beliebt bei allen Besuchern ist das Buffet, das von engagierten
Freiwilligen beider Gemeinden errichtet und betreut wurde. Es wurden
verschiedene Aufstrichbrote, Würstel, Mineralwasser und Weine
von den Winzern aus der Umgebung dargeboten. Auf dem Infostand
mit Handouts und Broschüren über die Grabungen 2001,
2002 und 2003 wurden wieder T-Shirts mit dem Logo des Projektes
(eiserner Gürtelhaken mit Drachenmotiven) verkauft. Der Reinerlös
aus dem Verkauf kam dem Projekt zugute.

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